BIRGIT JENSEN

Guido Barbato

Birgit Jensen

in: Bruna Soletti Arte Contemporanea, Milano 2009, Katalog



Im Jahr 1984 stellte Bruna Soletti die noch nicht 30jährige deutsche Künstlerin mit ihrer Bildserie „Flags“ aus. Die grafischen Symbole der Länder überlagern sich auf diesen Bildern, so daß ihre identitätsstiftende Bedeutung einer universellen, abstrakten Bildsprache gegenüber steht. Die Beschäftigung mit dem Sinn und der ästhetischen Wertigkeit von Zeichen und Symbolen führte Birgit Jensen in den folgenden Jahren zu einer immer komplexer werdenden Auseinandersetzung mit dem subjektiven Erkennen und den vermeintlich objektiven Werten unserer Kultur. Die Galerie Bruna Soletti Arte Contemporanea zeigt nun eine neue Serie von Leinwandbildern, auf denen die architektonischen Wahrzeichen der globalen Kultur zu sehen sind wie zum Beispiel das Kolosseum in Rom, der Markusdom in Venedig und der Dom von Mailand. Die von Birgit Jensen eingesetzte Technik des Siebdrucks lädt den Betrachter dazu ein, die Mechanismen der Wahrnehmung zu hinterfragen. Aus der Distanz betrachtet setzen sich die Farbflächen auf den Leinwänden zu klar erkennbaren Bildsujets zusammen. Wenn man sich ihnen nähert, löst sich die Gegenständlichkeit auf. Jenseits ihrer konzeptuellen Konsequenz und ihrer Auseinandersetzung mit der Rezeption von Kunst im digitalen Zeitalter, läßt sich in Birgit Jensens Bildern eine Parallele zur Pop-Kultur erkennen. Die Künstler der Pop Art führten die Symbole der Werbung und der populären Kultur in den Kunstdiskurs ein. Als solche können auch die hier ausgestellten Bildmotive der historischen Bauwerke und Kulturgüter gesehen werden, da sie einen wichtigen Platz im kollektiven Gedächtnis der Gesellschaft einnehmen. Die Arbeiten von Birgit Jensen eröffnen einen Diskurs über die Wirkungsmechanismen der Kunstgeschichte und der Medien und gleichermaßen sind sie visuelle Poesie, Geschichtserinnerung und Abstraktion.